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Wozu das?- II

Weil es vielleicht ähnlich "behandelte" Menschen gibt? Weil es für sie interessant sein könnte, was ich erlebt und wie ich es verkraftet habe? Weil ich auch erfahren möchte, ob jemand solche Erfahrungen hat und wie er/sie darüber hinweggekommen ist? Zu jener Zeit läutete es öfter in der Früh an meiner Wohnungstüre. Gemeindemitglieder standen davor und versicherten mir, sie beteten für mich. Zuerst grinste ich verlegen, später sagte ich oft, ich verbiete mir ihre Fürbitte. Inwzischen habe ich einen Artikel von Henryk Broder gelesen (in anderem Zusammenhang) mit dem Titel "Wir beten zurück!" Ich betete zurück. Mein Kollege im Pfarramt war ein ehemaliger katholischer Priester und Mönch. Seine erste Ehe war nicht gerade glücklich, da flogen manchmal Möbelstücke aus seiner Wohnung in den Hof. Außerdem mußte er auch noch mit einer Vikarin zurechtkommen, die damals lesbisch lebte. So grinste er im Zusammensein mit mir und der Kollegin immer zwanghaft wie ein Hutschpferd, polemisierte jedoch in kirchlichen Gremien gegen die Gleichstellung von Homosexuellen.
20.8.13 16:16


Wozu das?

Am Samstagabend traf ich Freunde zum Abendessen. Sie arbeiten noch immer in und für den Betrieb, den ich schon vor Jahrzehnten verlassen habe. "Das Pech war", meinten sie, "dass du den Stein ins Rollen gebracht hast. Du warst der Erste, ders öffentlich gemacht hat." Sie meinten: mein Schwulsein. Das ganze Wochenende über hat mich der Gedanke beschäftigt, ob ich nicht doch Vieles von dem, was damals alles geschah, öffentlich mache. Zur eigenen Psychohygiene. Und um hier vielleicht Solidarität zu lesen und herzustellen. Ich ging damals nicht den Weg eines katholischen Kollegen, der sein Schwulsein gut vermarktete und zu seinem Rausschmiss schon ein Buch fertig hatte. Ich hatte mit größerer Öffentlichkeit keine Erfahrung, wußte nichts über "gute Perfomance", auch nicht viel über effizientes "Networking" ( vgl. Christine Bauer-Jelinek, Die geheimen Spielregeln der Macht: und die Illusionen der Gutmenschen, 2007) . So rügte mich gleich ein ebenfalls homosexueller Kollege in meiner Kirche wegen meines öffentlichen Auftretens, das sei doch sein Revier, wieso ich ihn nicht gefragt hätte und er hätte doch öffentlich etwas sagen können. Nur beste FreundInnen haben zu mir gehalten. Nach drei Wochen kam die erste Einladung zu den Kirchenoberen. Interessant fand ich, dass sich die "geistlichen" Herren vorsichtig verhielte, natürlich ohne mich zu fragen, wie es mir denn gehe. Nur einer der "weltlichen" Gemeindeoberen wollte mir gleich ein Disziplinarverfahren anhängen, mich außerdem nach § 220 Strafgesetzbuch: „Werbung für Unzucht mit Personen des gleichen Geschlechts oder mit Tieren“ anzeigen,das schon 1977 vom Parlament aufgehoben worden war. Einber der Kirchenoberen fragte mich, ob ich denn Homosexualität verkündige. Ich fragte zurück, ob denn er Heterosexualität verkündige oder doch hoffentlich das Evangelium. Man einigte sich oberenseits darauf, wie der Staat und wie die Presse sich zwigen werde.
19.8.13 12:22





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